Ein Mann will sich als neuer Führer in Szene setzen oder nur mit Hetzthemen viel Geld scheffeln? Er findet die Öffentlichkeit, die er nicht verdient. Warum druckt der SPIEGEL seine Hetztiraden ab? Die Debatte müsse geführt werden, verteidigt sich Chefredakteur Müller von Blumencron in einem Interview.
taz: Aber bringt der Text die Debatte denn irgendwie voran? Es handelt sich doch um radikal rassistischen Populismus.
Antwort: Wenn Thilo Sarrazin irgendein Autor wäre, würde die Sache anders aussehen. Aber ihn zeichnen gleich zwei Dinge aus: Er war Finanzsenator in Berlin und ist immer noch ein prominenter Sozialdemokrat – und noch viel wichtiger: Sarrazin ist Mitglied des Vorstands einer der ehrwürdigsten Institutionen dieser Republik, der Bundesbank. Er ist daher eine Stimme des öffentlichen Lebens, die sich auf diese Weise in die Debatte einbringt. Das hat uns letztlich bewogen, den Text zu drucken.
Herrn Sarrazin »zeichnet« etwas ganz anderes aus! Und das, was in der Antwort als Auszeichnung angeführt wird, ist der eigentliche Skandal, denn es ist nicht das erste Mal, das sich Herr Sarrazin in dieser Art und Weise äussert. Was wird die SPD-Führung und der Bundesbankeigner jetzt tun?



