In einem Artikel zum Dioxinfutterskandal fragt die TAZ ihre LeserInnen: Sind die Verbraucher selber schuld? und ruft zur Kommentarabgabe auf.
Konsumaktivisten halten jedoch dagegen: Auch schärfere Kontrollen böten keinen absoluten Schutz. Der Käufer müsse selbst mehr Verantwortung übernehmen. Wer nur einen Euro für seinen Cheeseburger ausgeben will, brauche sich über solche Skandale nicht zu wundern. Weil die Kunden immer nur auf den Preis schauen, seien Bauern darauf angewiesen, so kostengünstig wie möglich zu produzieren, um zu überleben. So könnten die billigen Futtermittel und damit Schadstoffe wie das Dioxin überhaupt erst in den Umlauf geraten. Deshalb appellieren Spitzenköche und Öko-Verbände für ein bewussteres Einkaufen.
Klingt grundsätzlich vernünftig, ist aber nicht ganz so einfach, wie es scheint.
Um kurz auf das vorstehende Zitat einzugehen: Einen Cheeseburger, der aus qualitativ hochwertigen Grundstoffen hergestellt ist, bekommt man nicht – auch nicht für mehr als 1 Euro. Die Entscheidung kann hier nur lauten, keinen Cheeseburger mehr zu essen! Soviel dazu.
Aber nicht der Verbraucher ist jetzt der Schuldige. Ich als Verbraucher kann beeinflussen, was ich kaufe und was ich esse. Aber die Spirale des »immer billiger« wurde nicht vom Verbraucher in Gang gesetzt! Beeinflusst vom Wettbewerb wurde diese Mentalität den Verbrauchern per Werbung über Jahre suggeriert. Liest man die Werbeprospekte der Supermärkte und Discounter, bekommt man eine Ahnung davon, warum dies alles so gekommen ist. Es geht darum, den Wettbewerbern Kunden abzujagen – nur darum gibt es den Preiswettbewerb. Und wenn Personalkosten etc. im eigenen Haus ausgequetscht sind, muss dort gegeizt werden, wo die Lebensmittel entstehen, produziert werden. Und das geht auf Kosten der Futterqualität, der Haltungsbedingungen der Tiere und führt zur Verwendung von Abfall zur Nahrungsmittelproduktion.
Was man den Verbrauchern vorhalten kann, ist, dass sie glauben, für den Preis, den sie heute für Lebensmittel bezahlen, qualitativ hochwertige Ware zu bekommen. Wenn Hähnchen in der »Erzeugung« weniger kosten, als eine einfache Fahrt mit der S-Bahn, dann sollte auch der Unkritischste wach werden.
Was hier hilft: auf qualitativ hochwertige Ware ausweichen – ist sie teurer (was die Regel sein dürfte), dann weniger Fleisch essen. Gibt es diese Möglichkeit nicht, dann eben mal kein Fleisch essen. Ist auch gesünder!
Aus der Seele gesprochen…
hat mir ALEM GRABOVAC in seinem Artikel »Ich bin schuld!«: Ob Dioxinskandal, Bankenkrise, die Diktatur in Tunesien oder Klimawandel – an allem bin ich selber schuld. Ich habe die Schnauze gestrichen voll! Ein Eingeständnis. Zu de…