Bravo, Herr Zastrow!!

Volker Zastrow hat in der »FAZ am Sonntag« auf einer Doppelseite den Fall zu Guttenberg eingehend beleuchtet – grandios! Diesen Artikel archiviere ich – eine Sternstunde des kritischen Journalismus.
Ein paar Auszüge:

Wer sich nicht blenden lässt, kann sehen, dass Guttenberg, gemessen an den üblichen, erst recht den an ihn angelegten Maßstäben, in seinem Leben nicht viel auf die Reihe bekommen hat. Er ist ein auffallend intelligenter Mensch, aber seine äußeren, zertifizierten Leistungen lagen deutlich unter diesem Niveau. Durchgestartet ist er erst in der Politik, dort aber mit ungeheurem Druck.

Er hat sein zweites Staatsexamen als Jurist nicht gemacht, was einem Abbruch der Ausbildung gleichkommt, hat es nicht zum Offizier gebracht, hat die Diss, wie auch das Datum der ersten Fälschungen zeigt, zu einer Zeit begonnen, als das Internet als Steinbruch noch nicht existierte. Dann hat er, so kann man vermuten, auch dieses Angefangene nicht zu Ende gebracht, nicht etwa, wie er später behauptete, jahrelang daran weitergearbeitet, sondern es liegenlassen.

Einem Mann, der kurz zuvor einen veritablen Betrug begangen hat, kann man nicht Führungsaufgaben anvertrauen, schon gar nicht an der Spitze des Staates und in der Armee. Jeder weiß das.

Die Frage war nur, was das bei jemandem bedeutet, der aktuell den Spitzenplatz in „Deutschland sucht den Superstar“ hält, jener großen Schau, die inzwischen mit Politik verwechselt wird. Oder vielleicht schon die Politik ist. Darum nämlich ging es. Nicht mehr um eine Doktorarbeit. Nicht darum, ob Guttenberg Minister bleibt. Sondern ob wir, mit der Hauptstadt wieder in Berlin, ganz zur Talmi-Republik werden. Ob wir, wie in den „goldenen“ zwanziger Jahren, den Schein anbeten, den Glanz.

Wie Guttenberg mit Wichert und Schneiderhan umgegangen ist, war jedenfalls nicht gut. Es kam nur gut an. Er hat die alten Herren gefeuert, das darf er.

Aber er hat die beiden, auch seiner Fürsorge anvertrauten Männer später, hinter ihrem Rücken, zusätzlich entehrt. Guttenberg hat Journalisten erzählt, dass er von den beiden belogen worden sei. Ein Vorwurf, den der Minister nie offen erhob – wenn er aber zutreffend gewesen wäre, hätte er das machen müssen. Er hat ihn auch den beiden nie ins Gesicht gesagt; im Gegenteil schenkte er ihnen warme Worte. Und sie waren zum Schweigen und Stillhalten verpflichtet – während an ihnen ein Exempel statuiert wurde, das in Wirklichkeit nur dazu diente, die Sprunghaftigkeit des Ministers unsichtbar zu machen.

Usw. – KTzG sollte in Oberfranken bleiben, als »Oberfränkische Wettertanne«!

Update: Und auch dieser Artikel von Nils Minkmar ist lesenswert!
Guttenwahn Zwei Wochen deutsches Psychodrama

1 Kommentar zu Bravo, Herr Zastrow!!

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