Unter dem Titel »Mein Jahr in der Zone« schreibt Anke Richter in der sonntaz vom 03./04.09.2011 (S.31) über das Leben in Neuseeland nach dem Erdbeben.
Normal ist, dass man seine Kinder morgens nicht nur mit Schulbroten, sondern aufgeladenen Handys aus der Tür schickt. Dass diese Kinder nicht mehr allein einschlafen können. Dass man nicht mehr Rad fährt, surft oder in den Hügeln wandert, weil die Passstraßen gesperrt sind, Felsbrocken herabstürzen können und ins Meer noch immer Abwasser läuft. Dass man kaum Geschirr hat. Dass man nicht mehr weiß, wo eine Bank geöffnet hat oder man Schuhe kaufen kann. Dass neue Schuhe eigentlich egal sind, da der vorherrschende Modestil Bauarbeiterkluft ist. Normal ist, dass innerhalb von Minuten alles schon wieder komplett anders sein kann – aber vielleicht erst in einem Monat. Es ist eine schizophrene Realität. Manche kommen damit klar. Andere brechen alles ab, ziehen weg. Unser Freundeskreis ist geschrumpft.
Inzwischen hat es weitere Beben gegeben. In unseren Medien kommt Neuseeland kaum noch vor. Genauso wie Haiti, und sogar Fukushima ist (schon) fast vergessen.