So wichtig wie nie: Zukunftsoptimist

Als ich noch an Besprechungen auf etwas höherer Hierarchieebene teilnehmen durfte, fiel ab und zu mal die Wendung: »Ich will keine schlechten Nachrichten hören. Positive thinking!«. Geholfen hat es nichts, denn die Wirklichkeit sieht das anders (oder wie Helmut Kohl es in seiner unnachahmlichen Art sagte: »Die Wirklichkeit ist leider anders als die Realität.«)

Zur Zeit gibt es ja reichlich schlechte Nachrichten und man sieht daran, das Wirklichkeit und Realität noch immer miteinander im Widerstreit liegen. Wie man mit einer solchen Meldungslage konstruktiv umgeht, zeigt ein Artikel im Focus vom 07.07.2008: Apokalypse No!

Werden Sie Zukunftsoptimist – das 21. Jahrhundert ist nicht dem Untergang geweiht. Eine Anleitung, wie man sich vor den aktuellen Schreckensszenarios wappnet…

Natürlich geht es nicht um den Untergang des 21. Jahrhunderts, denn das wird weiter existieren und irgendwann vom 22. abgelöst; dagegen kann allerdings auch Focus nichts tun.
In dem Artikel geht es um ein Buch des deutschen Trendforschers Matthias Horx – er möchte unserer schlechten Laune Einhalt gebieten. „Anleitung zum Zukunfts-Optimismus“ (Campus Verlag 2007).
Aus dem Inhaltsverzeichnis:

  • Das Märchen von der bösen Globalisierung
  • Das Märchen von der “aufklaffenden Schere” zwischen Arm und Reich
  • Das Märchen von der medialen und sonstigen Verblödung der Menschheit
  • Das Märchen von der demografischen Katastrophe
  • Das Märchen von der Prekarisierung der Arbeit
  • Das Märchen von der wachsenden Gewalt und dem Krieg der Kulturen
  • Das Märchen von der finalen Seuche
  • Das Märchen vom Werte- und Moralzerfall
  • Das Märchen von der Klimakatastrophe
  • Das Märchen von der tödlich bedrohten Natur und der Formel der “Nachhaltigkeit”

Vier Jahre sind seitdem vergangen; ein jeder mag für sich entscheiden, welches Märchen noch immer ein Märchen ist. Laut Verlagsseite ist das Buch »nicht mehr lieferbar« (ausser als Hörbuch). Vielleicht arbeitet Herr Horx an einer neuen Auflage und fügt noch ein paar Kapitel ein – Vorschläge:

  • Das Märchen von der Hypotkenkrise
  • Das Märchen von der Bankenkrise
  • Das Märchen von der EURO-Krise
  • Das Märchen von der Schuldenkrise

Ich überlege jetzt, ob ich Zukunftsoptimist werde oder vielleicht Vergangenheitsprognostiker oder Gegenwartsrealist?
Ich warte wohl besser auf das neue Buch vom Trendforscher.

4 Kommentare zu So wichtig wie nie: Zukunftsoptimist

  • Dieser “Trendforscher” Horx hat schon früher üble Bücher geschrieben: “Das Zukunftsmanifest. Ausbruch aus der Jammerkultur.” (1999) Da steht zum Bsp: “Die Wissenschaftler des Club of Rome rechneten einfach den Treibstoff- und Rohstoffverbrauch ihrer Zeit linear in die Zukunft hinein.” Entweder er hat den Bericht des CoR nie gelesen, wo verschiedene Zukunftszenarien explizit dargestellt werden oder er hat nicht Bohne Ahnung von Systemtheorie oder aber er diffamiert bewusst. Kann man sich ja aussuchen…

    • Observator

      Ich “begleite” Herrn Horx auch schon einige Zeit und teile Deine Einschätzung uneingeschränkt. Für mich ist er der Sarrazin der Wissenschaft (hoffentlich habe ich ihm mit diesem Vergleich nicht zu viel Ehre angetan).

      • Na, ich finde, Horx gehört zu den Animateuren für die Orientierungssuchenden. Er soll die Leute bei Laune halten, wie das Gaga, Bieber und Konsorten für die Leseunkundigen tun. Und weil’s so doll ist, zitier ich gerne noch mal aus dem Zukunftsfestbücherl: “Denn Egoismus ist in Wirklichkeit {sic!} die einzige bleibende und dauerhafte Utopie {!} der Menschheit, unser zivilisatorischer Gencode, unser kultureller Stachel: Wo wir war, soll ich werden.” – Gebildet ist er ja, der Horx, hat er doch immerhin ein schönes Freud-Zitat neoliberal umzumünzen verstanden. Alle Achtung.

      • Observator

        Der Vergleich mit Gaga und Bieber gefällt mir! :-)

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