Warum sollten ausgerechnet bei Stuttgart 21 weitere Kostensteigerungen ausgeschlossen sein?

Martin Ruoff ist Vizechef des Prüfungsamts Stuttgart, das dem Bundesrechnungshof unterstellt ist. In einem Interview mit KONTEXT:Wochenzeitung äussert er sich kritisch zu Stuttgart 21. Ein Auszug:

Die letzte Hoffnung der Gegner nach der Volksabstimmung ist, so scheint es, jetzt noch die Kostenfrage. Die magische Zahl heißt 4,5 Milliarden Euro. Darüber soll Schluss sein. Was sagt der Rechnungsprüfer dazu?

Zu Stuttgart 21 hat der Bundesrechnungshof in seinem Bericht vom 30. Oktober 2008 – der im Netz steht – ausführlich Stellung genommen. Er hat dabei ein internes Gutachten des Bundesverkehrsministeriumsherangezogen, welches sich mit der Baupreisentwicklung von Großprojekten befasst. In dem Gutachten wurde ausgeführt, dass bei Projekten mit bestimmten Risikofaktoren – zum Beispiel ein großer Tunnelanteil und/oder ein hoher Kupfer- und Stahlanteil – Preissteigerungen von bis zu 60 Prozent zu verzeichnen sind. Bei komplexen Großprojekten mit Gesamtkosten von über 100 Millionen Euro kämen auch Preissteigerungen von bis zu 100 Prozent vor. Vor diesem Hintergrund prognostizierte der Bundesrechnungshof bereits 2008 Kosten von deutlich über 5, 3 Milliarden Euro. Dabei ist der Bundesrechnungshof noch von den rund drei Milliarden Euro ausgegangen, die auch den Beschlüssen der Landesregierung und des Landtages von Baden-Württemberg vom Frühjahr 2009 zugrunde lagen. Noch im selben Jahr sind die Kosten des Projekts bereits um eine Milliarde nach oben korrigiert worden. Und mit dem Bau war da noch nicht mal angefangen. Warum sollten ausgerechnet bei Stuttgart 21 weitere Kostensteigerungen ausgeschlossen sein?

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