Das konstatiert Carlos Hanimann in der WOZ zumindest für die Schweiz.
Die Präsenz der Occupy-Bewegung – zumindest die physische – hat in den letzten Wochen merklich abgenommen. Am Wochenende kamen noch etwas mehr als hundert Menschen an die Kundgebung auf dem Paradeplatz.
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Doch während sich anderswo Schülerinnen und Studenten mit Gewerkschaftern, Rentnerinnen, Beamten, Strassenarbeitern und Aktivistinnen zusammentun, wirken die BesetzerInnen auf dem idyllischen Lindenhof wie ein versprengter Haufen ohne Sprengkraft, der zwar viel Unterstützung aus der Bevölkerung erfährt und in der eigenen Wahrnehmung sehr dynamisch agiert, aber nach einem Monat kaum mehr zu mobilisieren vermag. Haben sie sich, wie der Philosoph Slavoj Zizek in New York warnte, verliebt – «in sich selbst und in die schöne Zeit, die wir hier haben»?
So ähnlich kann auch die deutsche Occupy-Bewegung eingeschätzt werden. Die Forderung, die Macht der Banken einzuschränken, ist sicher richtig, aber wie die derzeitige Behandlung der Finanz-, Schulden- und EU-Krise durch die Regierungen zeigt, wäre das keine Lösung. Das Problem liegt tiefer und um es zu beheben, muss am System etwas geändert werden.
Ist die repräsentative Demokratie noch die richtige Regierungsform? Sind nationale Regierungen das passende Pendant zur Globalisierung der Wirtschaft? Ist der Kapitalismus die in einer Demokratie einzig mögliche Wirtschaftsform? Diese Fragen stellen sich.
Auch verantwortlich für die bisherige Wirkungslosigkeit der Occupy-Bewegung in Deutschland ist das, was die WOZ zur Schweiz schreibt:
Die Ausgangslage ist hier anders als in Madrid, Santiago de Chile, New York oder Tel Aviv: In Britannien, Griechenland, Chile, Spanien oder den USA leiden grosse Teile der Mittelschicht existenziell unter den Folgen der Finanzkrise und den Sparkursen ihrer Regierungen. Soziale Unruhen überraschen nicht.
Vielleicht ändert sich das, wenn die Konjunktur, wie prognostiziert, bald einbricht. Bisher ging es uns noch zu gut, um ernsthaft zu protestieren.
Vielleicht kommt am 11.11.11 wieder etwas Schwung in die Bewegung (»11.11.11 – Die zweite Welle – Join the Revolution«). Das Datum lässt aber mehr ein Event, als eine politische Bewegung vermuten. Aber vielleicht täuscht das auch.
Zu Occupy in diesem Blog:
Die Occupy-Bewegung – Protestfolklore oder mehr?
Occupy – so sieht es aus?




