Der austrianSocialBusinessDay 2011

Am 23. und 24. März 2011 findet der austrianSocialBusinessDay statt.

Die Herausforderungen unserer Gesellschaft sind vielfältig: Intensiver Ressourcenverbrauch, soziale Krisen und wirtschaftliche Unsicherheiten verlangen nach neuen Wegen. Die Idee, öko-soziales Engagement und unternehmerischen Erfolg unter einen Hut zu bringen, sieht die Plattform SocialBusinessDay als DIE Chance des 21. Jahrhunderts.

Dieser SocialBusinessDay steht »unter der Patronanz von Bundesminister Dr. Reinhold Mitterlehner« (wir sind in Österreich – deshalb »Patronanz«). Aus seinem Statement:

Corporate Social Responsibility (CSR) geht über Klimafragen und Umweltaspekte hinaus und umfasst auch die Verantwortung für gesellschaftliche Auswirkungen unternehmerischen Handelns. Es stellt nicht die Interessen einer bestimmten Gruppe über die einer anderen, sondern berücksichtigt die komplexen wechselseitigen Abhängigkeiten in einer vernetzten Welt. Dabei betont CSR die über die Einhaltung der Gesetze hinausgehende persönliche Verantwortung jedes Einzelnen für die Gesellschaft und sieht im Ausgleich divergierender gesellschaftlicher Interessen eine wesentliche Aufgabe. Von Unternehmen wird dabei immer mehr Transparenz und aktiv unter Beweis gestelltes Verantwortungsbewusstsein verlangt.

Liest sich gut – aber was geschieht, wenn Unternehmen »mehr Transparenz und aktiv unter Beweis gestelltes Verantwortungsbewusstsein« vermissen lassen? Reicht der gute Wille?
Unumgänglich werden künftig aber auch Systemänderungen sein. Diese werden sich auch nicht dadurch verhindern lassen, dass man »öko-soziales Engagement und unternehmerischen Erfolg unter einen Hut« bringt!

Die Wachhunde des Kapitalismus

Ein Interview im »Süddeutsche Zeitung Magazin«, mit dem britischen Hedgefonds-Manager Hugh Hendry. Ein paar Auszüge – aufschlussreich und illusionslos:

Angenommen, Hedgefonds sind tatsächlich nicht die Wurzel allen Übels – wozu sind sie dann eigentlich gut?
Es gibt ein Bild, das es für mich am ehesten trifft: Hedgefonds sind die Wachhunde des Kapitalismus.

Hedgefonds spielten dabei eine unselige Rolle: Sie wetteten auf den Verfall der Anleihen und des Euro und heizten die Krise erst richtig an.
Wie ich schon sagte: Die Krise wurde von der Finanzwirtschaft ausgelöst. Sie hat sich mit Papieren eingedeckt, die sie nie hätte kaufen dürfen. Dann betraten die Hedgefonds den Rotlichtbezirk und riefen: Feuer! Und verdienten eine Menge Geld, als die erwartete Torschlusspanik einsetzte.

Seltsames Demokratieverständnis: Vom Volk gewählte Politiker beschließen etwas – und dann stellt ein einzelner Spekulant diesen Beschluss auf den Kopf.
Warum? Es ist doch demokratisch, wenn ein Einzelner wie Soros seine Sicht der Dinge in der Öffentlichkeit darstellt. Geld allein reicht ja nicht, der Spekulant muss schon auch klug sein. Soros konnte die Entscheidung der britischen Regierung nur zu Fall bringen, weil er erkannte, dass sie den Gesetzen des Marktes zuwider- lief. Genau aus diesem Grund wird auch der Euro kollabieren.

Gibt es irgendein Geschäft, das Sie aus moralischen Erwägungen nicht eingehen würden?
Nein.

Waffen?
Nein.

Wasser?
Nein. Ich halte all diese ethischen Investments für moralische Feigenblätter. Darin äußert sich das schlechte Gewissen einer Gesellschaft, die weiß, dass sie gierig ist – und sich irgendwie dafür schämt.

Alles klar? Wachhunde sind nützlich, sie dienen, sie müssen gehegt, gepflegt und gefüttert werden. Das machen die Politiker. Was ist, wenn die Wachhunde die Herrschaft übernehmen und vom Diener zum Herren werden?

Wachstum – sie wollen es nicht verstehen

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 17. Oktober 2010 schreibt Georg Meck auf Seite 35 über Wachstum – Titel: »Ein Hoch auf das Wachstum«. In dem Text kommen Begründungen für Wachstum vor, die im Grunde nur kabarettistisch gemeint sein können, es aber wohl nicht sind.

Richard David Precht setzt sich offen dafür ein, das »künstlich befeuerte Wachstumsrad zum Stillstand« zu bringen: »Ein Mehr an materiellem Wohlstand muss nicht sein und darf nicht sein.« Was wohl der chinesische Wanderarbeiter dazu sagen würde? Oder der indische Bauer? Oder nur der Hartz-IV-Empfänger in Lüdenscheid?

Diese Menschen werden ihre Lebensituation auch nicht verbessern, wenn es weiter das künstlich befeuerte Wachstum gibt, denn sie partizipieren nicht an den Wachstumsgewinnen. Herr Meck macht es sich leicht, indem er demagogisch argumentiert. Das ist einfacher, als sich ernsthaft mit dem Problem auseinander zu setzen.

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