Ein Migrant sucht die deutsche Leitkultur

Ein Migrant, aus einem anderen Kulturkreis, kommt nach Deutschland. Er selbst empfindet es eigentlich garnicht so, er hat noch nie darüber nachgedacht, über Kulturkreise. Er will sich integrieren, unbedingt, denn er will hier leben und arbeiten. Und er liest von »deutscher Leitkultur«, einer Kultur, die in Deutschland bestimmend ist und die jeder, der hier dauerhaft leben will, akzeptieren muss. Und da er dies will, macht er sich auf den Weg, um herauszufinden, was die deutsche Leitkultur ist und was er beachten muss, wenn er sich entsprechend verhalten will.

Obwohl aus einem anderen Kulturkreis, ist er durchaus mit Bibliotheken und Onlinerecherchen vertraut. Er kann lesen und schreiben, hat studiert, weiss, wie man sich einem solchen Thema nähert. Aber die Stichwortsuche »deutsche Leitkultur« bringt ihn nicht viel weiter. Es gibt zwar reichlich Fundstellen, aber keine dieser Fundstellen sagt ihm, was er zu beachten hat, wie er sich verhalten muss, um dem Anspruch einer »deutschen Leitkultur« (dLk) gerecht zu werden. Anscheinend gibt es zumindest auf intellektueller Ebene keinen Konsens darüber, was unter dLk zu verstehen ist. Diese Situation ist ihm nicht grundsätzlich unbekannt, denn – wie gesagt – er hat studiert.

Aber, so sagt er sich, wenn schon nicht in Büchern, dann muss die dLk im richtigen Leben zu finden sein. Wenn soviel davon geredet wird, leben die Deutschen sicher ihre Leitkultur, dann wird sie überall zu finden sein. Er startet seine Suche, beginnt in einem Presseshop. Findet dort eine Unmenge von Titeln, die sich mit Fernsehprogrammen, dem Leben von Künstlern, Adligen, Sportlern, mit Handarbeiten, Mode, nackten Frauen, Sex, Computerspielen, Computertechnik etc. befassen; ganz hinten in der Ecke ein paar wenige Titel zu Politik, Kunst und Literatur. Was davon ist dLk, fragt er sich – was davon muss ich lesen, damit ich verstehe, was so wertvoll an der dLk ist? Das Verkaufspersonal schaut ihn völlig konsterniert an, als er diese Frage stellt.
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DVA spendet Gewinne aus Sarrazin-Buch

»Der Verlag DVA will die Gewinne aus Sarrazins Buch ‘Deutschland schafft sich ab’ der Gesellschaft für bedrohte Völker spenden!« – das wäre doch eine angemessene Entscheidung, um sich als Verlag – so man solch ein Buch veröffentlicht – nicht damit auch noch zu bereichern! Vielleicht wird diese – bisher fiktive – Meldung ja noch wahr!

Sarrazin ist nur der Frontmann

Das Buch von Thilo Sarrazin (»Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen«) wird bei amazon.de kommentiert bzw. es werden sog. Kundenrezensionen öffentlich. Was dort so geschrieben steht, macht mir Angst. Ein paar Zitate:

Dann die Zusammensetzung der nachfolgenden Generationen – die gebildeteren Schichten reproduzieren sich in geringerem Maße als die weniger gebildeten, wodurch die Durchschnittsintelligenz abnimmt.
Ein umstrittener Punkt ist dann die Einwanderung, die den zahlenmäßigen Rückgang der Deutschen laut Sarrazin nicht auffangen kann, da hauptsächlich unqualifizierte Ausländer einwandern, die qualifizierten bleiben, so Sarrazin, zu Hause, wo der Aufschwung ihnen mehr bietet als bei uns. Die zu uns kommen, werden von unseren Sozialleistungen angezogen, was die finanzielle Überlastung unserer öffentlichen Kassen zur Folge hat.
Wichtig für die Bewahrung des Wohlstandes ist außerdem ein festes gesellschaftliches Gefüge, das Halt bietet und motiviert, etwas zu schaffen und seinen Teil über das persönliche Wohl hinaus zu leisten. Auch hier hat der Niedergang entscheidende Folgen, die nicht zu unterschätzen sind.

Die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Der Messias names Thilo Sarrazin bringt uns hiermit die neue “Bibel”. Wenn wir alles aus dem Buch befolgen haben wir bald wieder Frieden und Ruhe in Deutschland.

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