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In seinem Buch Die philosophische Hintertreppe schildert Wilhelm Weischedel »in vierunddreißig Aufsätzen die Quintessenz des Denkens und Lebenswerkes ebenso vieler Philosophen« und geht dabei auch auf die persönlichen Lebensumstände ein, die das Denken dieser Philosophen beeinflusst haben könnten. Dieses Buch fiel mir jetzt wieder ein, im Zusammenhang mit der Diskussion um Gaucks »Lebensthema Freiheit«.
Sein Lebensweg lässt verstehen, warum Freiheit sein Lebensthema ist. Aber dieser Lebensweg lässt vielleicht auch verstehen, dass sein Freiheitsbegriff einen anderen Deutungsinhalt hat, als der Freiheitsbegriff der Menschen, die in der Bundesrepublik Deutschland geboren und aufgewachsen sind.
Sein Vater verschwand für lange Zeit in einem Lager in Sibirien, als Gauck sechs Jahre alt war. Als evangelischer Pastor erlebte er später, wie das DDR-Regime brutal gegen Kirchenmitglieder vorging.
Mit dieser Erfahrung ist Freiheit etwas Essentielles und geht weit über die Freiheit hinaus, um die heute oft gestritten wird, wenn es um die Freiheit der Märkte oder »Freie Fahrt für freie Bürger!« geht. Das wird vielleicht auch der FDP irgendwann bewusst.
In Stuttgart gibt es die Initiative Meisterbürger. Schlagwörter sind laut KONTEXT:Wochenzeitung »Netz« und »jung«.
Sie sind jung, sie sind im Netz und sie haben einen Traum: Bürger meistern ihre Stadt. Die Stuttgarter Initiative Meisterbürger sucht via Internet einen männlichen oder weiblichen OB-Kandidaten für die Landeshauptstadt. Fern von großen Namen. Fern von Parteigeschacher. Mitten aus einer selbstbewussten Bürgerschaft, die sich Großes zutraut. Es kommt Bewegung in die Stadt.
Erstaunlich, dieses Mainstreammediendeutsch in dieser Zeitschrift. Auch passt es nicht zu dem Auftritt der Meisterbürger. Es geht dieser Initiative um alle Bürger und nicht nur um die, die jung und im Netz sind (was bedeutet eigentlich »sie sind im Netz«? – die etablierten Parteien haben auch Webauftritte -sind sie somit auch »im Netz«?).
Die Werte der Meisterbürger:
Nach welchen Werten wollen wir handeln?
Menschlich, offen, transparent, vertrauensvoll, stark, mutig, mutmachend, freudig, freundlich, einfühlend, engagiert, einfach, direkt, bestimmt, fordernd, glaubwürdig, demokratisch, durchsetzend, klug, Ubuntu
»Ubuntu« kenne ich als Linuxdistribution. Ich nehme nicht an, das diese hier gemeint ist. Will man damit ausdrücken, was der Zulu-Begriff »Ubuntu« meint (Menschlichkeit), sollte dies gesagt werden (und ist meines Erachtens auch durch die anderen Begriffe gesagt).
Neu ist eine derartige Initiative nicht. Freie Wählergemeinschaften, Unabhängige Wähler etc. gibt es in vielen Städten. Ich bin gespannt, wie sich diese Initiative entwickelt.
Der Iran wurde bisher schon mit kritischen Augen betrachtet. Die neuesten Auswirkungen dieser Krise bringen das sprichwörtliche Fass zum überlaufen:
Der Iran-Konflikt könnte bald auch dem Nürnberger Bratwürstchen zu schaffen machen. Aus dem Nahen Osten stammt nämlich der Schafsdarm, in dem die Würstchen stecken. Und mit zunehmender Krise wird dieser Schafssaitling immer teurer.
…
Den Engpass an Schafsdärmen und die gestiegenen Preise bekommt auch bald der Kunde an der Wursttheke zu spüren. Metzgermeister Claus Steiner rechnet mit einer Preissteigerung um vier Prozent.
Die fränkischen Schützenvereine planen einen Einmarsch in den Iran. Der ehemalige Verteidigungsminister zu Guttenberg will sich an die Spitze des Würstchenkreuzzugs stellen.
Hätte man damals auch in der rechtsextremen Szene ermittelt (so wie die Hinterbliebenen damals schon gefordert haben), würden wahrscheinlich noch einige der Ermordeten leben. Ich bin auf die Rede gespannt, die die Kanzlerin/der Kanzler nach Vorlage des Ergebnisses der Untersuchungssauschüsse halten wird und wie die Bestrafung der Versäumnisse der Ermittlungsbehörden aussehen wird!
 © Klaus Stuttmann, Berlin (Klick aufs Bild)
Im Folgenden die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt, Do, 23.02.2012, in Berlin:
Alles lesen Bundeskanzlerin Merkel bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt

Am 11.03.2012 ist Abstimmung zur Initiative »6 Wochen Ferien für alle« – nicht in DE, sondern in der CH. Dieser Initiative werden anscheinend geringe Erfolgsaussichten zugestanden. Erstaunlich – warum ist dies so?
Dazu ein Artikel bei der WOZ.
Die Ferien-Initiative erhält wenig Beachtung und scheint chancenlos. Auch so manche Linke zeigen sich skeptisch. Völlig zu Unrecht, findet die WOZ-Redaktion und gibt Antworten auf die fünf drängendsten Fragen.
Das die Welt bei 6 Wochen Ferien nicht untergeht, ist seit Jahren erwiesen. 2 Wochen mehr Ferien, machen den SchweizerInnen anscheinend Angst. Ein Horror vacui?
Die Ferien-Initiative wird nicht wegen der Gegenkampagne von Economiesuisse scheitern, schätzt Kurt Imhof, Soziologe an der Universität Zürich. «Sondern wegen Luther, Calvin und Marx.»
Luther habe die göttliche Berufung mit dem Beruf gleichgesetzt. Calvin habe den Erfolg im Beruf zur Frage des Gnadenbeweises für die Gläubigen gemacht. Die Theorie von Marx schliesslich baue auf dem Arbeitsbegriff auf, wodurch auch innerhalb der gesamten Arbeiterbewegung Arbeit als zentrales Merkmal menschlichen Daseins reproduziert werde. «Ausser der Romantik, die das Schöpferische mit der Musse verband, gab es nie eine Gegenbewegung, die die Arbeit als Säule des Lebenssinns infrage gestellt hätte», sagt Imhof.
Quellen:
Mehr Ferien Mach mal Pause!
http://www.sechswochenferien.ch/de
6 Wochen Ferien für alle. Volksinitiative
Ein gemeinsamer Kandidat; eine Wahl ist somit überflüssig? Die Wahlfrauen/-männer könnten ihn nur ablehnen. Vielleicht deswegen:
Eine Zeitung der äußersten Rechten feiert die Einigung auf Joachim Gauck als nächsten Bundespräsidenten. Während der bisherige Amtsinhaber Christian Wulff mit “Worthülsen von der ‘bunten Republik’” Schlagzeilen gemacht habe, seien von Gauck “nüchterne Äußerungen” unter anderem zum Thema “Migration” bekannt, heißt es lobend in der ultrarechten Wochenzeitung Junge Freiheit. In der Tat hat Gauck durchaus positiv zu dem SPD-Politiker Thilo Sarrazin Stellung bezogen, der für rassistische Äußerungen über “Türken und Araber” bekannt ist. Der zukünftige Bundespräsident hat außerdem mit Aussagen über die deutsch-polnische Grenze, über die Umsiedlung der Deutschen und über die Shoah von sich reden gemacht. So vertritt er die Auffassung, die “Überhöhung” des “deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit” nehme zuweilen eine quasireligiöse “Dimension der Absolutheit” an, die abzulehnen sei. Joachim Gauck soll in gut vier Wochen von den Abgeordneten beinahe sämtlicher Bundestagsparteien zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt werden – in parteiübergreifendem Konsens.
Ist er wirklich der Konsenskandidat?
 © Klaus Stuttmann, Berlin (Klick aufs Bild)
Herrn Wulffs Rücktrittsrede:
“Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger,
gerne habe ich die Wahl zum Bundespräsidenten angenommen und mich mit ganzer Kraft dem Amt gewidmet.
Es war mir ein Herzensanliegen, den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken. Alle sollen sich zugehörig fühlen, die hier bei uns in Deutschland leben, eine Ausbildung machen, studieren und arbeiten – ganz gleich, welche Wurzeln sie haben. Wir gestalten unsere Zukunft gemeinsam.
Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft am besten entfalten und einen guten Beitrag zur europäischen Einigung leisten kann, wenn die Integration auch nach innen gelingt.
Unser Land, die Bundesrepublik Deutschland, braucht einen Präsidenten, der sich uneingeschränkt diesen und anderen nationalen sowie den gewaltigen internationalen Herausforderungen widmen kann. Einen Präsidenten, der vom Vertrauen, nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen wird. Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen und damit meine Wirkungsmöglichkeiten nachhaltig beeinträchtigt sind. Aus diesem Grund ist es mir nicht mehr möglich, das Amt des Bundespräsidenten nach innen und nach außen so wahrzunehmen, wie es notwendig ist.
Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge frei zu machen.
Bundesratspräsident Horst Seehofer wird die Vertretung übernehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird auf der wichtigen Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt am Donnerstag der kommenden Woche sprechen.
Was die anstehende rechtliche Klärung angeht, bin ich davon überzeugt, dass sie zu einer vollständigen Entlastung führen wird. Ich habe mich in meinen Ämtern stets rechtlich korrekt verhalten. Ich habe Fehler gemacht, aber ich war immer aufrichtig. Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, haben meine Frau und mich verletzt.
Ich danke den Bürgerinnen und Bürgern, die sich für unser Land engagieren. Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bundespräsidialamt und anderen Behörden, die ich als exzellente Teams erlebt habe.
Ich danke meiner Familie. Vor allem danke ich meiner Frau, die ich als eine überzeugende Repräsentantin eines menschlichen und modernen Deutschlands wahrgenommen habe. Sie hat mir immer, gerade in den vergangenen Monaten und den Kindern starken Rückhalt gegeben.
Ich wünsche unserem Land von ganzem Herzen eine politische Kultur, in der die Menschen die Demokratie als unendlich wertvoll erkennen und vor allem, das ist mir das Wichtigste, sich gerne für die Demokratie engagiert einsetzen.
Ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürger, denen ich mich vor allem verantwortlich fühle, eine gute Zukunft.”
Frau Merkels Stellungnahme:
Meine Damen und Herren,
ich habe die Erklärung des Bundespräsidenten mit größtem Respekt und – ganz persönlich – auch mit tiefem Bedauern zur Kenntnis genommen. Christian Wulff hat sich in seiner Amtszeit voller Energie für ein modernes, offenes Deutschland eingesetzt.
Er hat uns wichtige Impulse gegeben und deutlich gemacht, dass die Stärke dieses Landes in seiner Vielfalt liegt. Diese Anliegen werden mit seinem Namen verbunden bleiben.
Er und seine Frau Bettina haben dieses Land, die Bundesrepublik Deutschland, im In- und Ausland würdig vertreten.
Ich danke beiden dafür und ich bin überzeugt, dafür gebührt ihnen unser aller Dank.
Der Bundespräsident hat davon gesprochen, dass es ihm nicht mehr möglich sei, sein Amt auszuüben. Tatsächlich ist es eine Stärke unseres Rechtstaats, dass er jeden gleich behandelt, welche Stellung auch immer er einnimmt. Mit seinem Rücktritt stellt Bundespräsident Wulff nun seine Überzeugung, rechtlich korrekt gehandelt zu haben, hinter das Amt zurück, hinter den Dienst an den Menschen in unserem Land. Ich zolle dieser Haltung ausdrücklich meinen Respekt.
Und in diesem Geiste werden die Parteien, die die Bundesregierung tragen, werden CDU und CSU und FDP sich nun beraten und anschließend unmittelbar auf die Sozialdemokraten und Bündnis90/Die Grünen zugehen. Wir wollen Gespräche führen mit dem Ziel, in dieser Situation einen gemeinsamen Kandidaten für die Wahl des nächsten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland vorschlagen zu können.
Ich danke Ihnen.
Immer mal wieder lesen, in den nächsten Wochen und Monaten. Die Deutung muss jeder für sich vornehmen.
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